Indigene

Kawsak Sacha

Das Konzept der Kawsak Sacha, der Lebenden Wälder, ist ein Vorschlag der indigenen Gemeinde der Kichwa aus Sarayaku, Ecuador, zum harmonischen Zusammenleben mit der natürlichen Umwelt, dessen Ursprung in Jahrtausende altem Wissen der Naturvölker des Regenwaldes liegt. Gleichzeitig anerkennen und bekräftigen aktuelle wissenschaftliche Studien die nachhaltige Nutzung des Waldes in ausgewiesenen indigenen Territorien, z.B. im Amazonasgebiet.

 


Während die westliche Weltanschauung die Natur als Produktionsstätte materieller Ressourcen betrachtet, die der Nutzung durch die Menschen zur Verfügung stehen, stellt das Konzept die Lebenden Wälder nicht nur als Lebensraum für alle Bewohner, sondern darüber hinaus als Basis aller emotionalen, psychologischen, physiologischen und spirituellen Aspekte des Lebens der Indigenen dar. Durch den Fortbestand der Lebenden Wälder hängt das natürliche Gleichgewicht zwischen allen Wesen ab, und damit auch ihre eigene Existenz.



„Wir gehen davon aus, dass uns der Erhalt dieses Lebensraumes durch eine fortwährende Beziehung mit ihm und seinen Komponenten einen ethischen Leitfaden bieten kann, in unserer Suche nach Möglichkeiten, uns der aktuellen ökologischen Krise auf globaler Ebene entgegen zu stellen. Auf die Art können wir das Gute Leben weltweit realisieren.“


Das Konzept des Kawsak Sacha beinhaltet einen Lebensplan durch den anhand der Anwendung dreier fundamentaler Prinzipien das Gute Leben erreicht werden kann: Fruchtbare Erde, Organisation des sozialen Lebens und Weisheiten des Regenwaldes. Zur Entwicklung eines Guten Lebens definiert dieser Plan Reichtum auf eine neue Art und Weise: Mit dem Schutz des Regenwaldes, sichert Kawsak Sacha eine gesunde Umwelt, eine produktive Erde und damit die Ernährungssouveränität. Kawsak Sacha stellt somit ein realisierbares ökonomisches Alternativmodell dar.


Die „Grenze des Lebens“



Geografisch betrachtet sind die konkreten Lebenden Wälder Sarayakus in ihrer konkreten Gestalt durch langjährige Gemeinschaftsarbeit von einer Linie aus bunt blühenden Bäumen umgeben, die aus der Luft sichtbar ist. Der Annahme folgend, dass der Wald in seiner Gesamtheit aus verschiedenen Wesen und deren Relationen besteht, versucht diese „Grenze des Lebens“ nach außen hin die Existenz und Begrenzung des als Kawsak Sacha deklarierten Gebietes zu demonstrieren. Zudem ist sie als ein an die ganze Welt gerichteter Denkanstoß zu verstehen, persönliche Reflektionen über die Beziehung zwischen Menschenrechten und den Rechten der Natur anzustoßen. Es ist auch eine Aufforderung an die Weltgemeinschaft, sich für einen wahren Wandel einzusetzen. Für ein System, dass das moderne Entwicklungsmodell ablöst, denn dieses behandelt die Natur als schlichte Ressourcenproduzentin für den Wohlstand des Menschen.


[Anm.: gekürzte,leicht abgeänderte Version des Dokuments: KAWSAK SACHA- LEBENDER WALD: VORSCHLAG DER INDIGENEN VÖLKER ANGESICHTS DES KLIMAWANDELS
Präsentiert vom Indigenen Volk der Kichwa aus Sarayaku im Amazonasbecken, COP21, Paris, 30. November- 11. Dezember 2015]

"Wir sprechen nicht mehr über den Erhalt des Waldes auf unserem Territorium, wir sprechen hier über den Erhalt unseres Planeten, um das Überleben unseres Planeten Erde."

by Patricia Gualinga

 

 

 



  • © Sarayaku

    © Sarayaku

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